Was ist Altbergbau?
Was ist Altbergbau?
Das Wort Altbergbau ist bis heute so wenig geläufig, dass es nicht einmal im Duden zu finden ist.
Für und durch den untertägigen Abbau von Kohle, Erzen und anderen Mineralien werden unterirdische Hohlräume (Grubenbaue) geschaffen. Mit Ende bzw. Stilllegung der Abbautätigkeiten werden die Grubenbaue aufgegeben und häufig einfach nur sich selbst überlassen. Die Gesamtheit der bergbaulich nicht mehr genutzten Grubenbaue heißt Altbergbau. Der heute betriebene Bergbau ist somit der Altbergbau von morgen.
Historisches
Bergbau orientierte sich auch in der Vergangenheit immer am Bedarf eines Bodenschatzes. Er war stets abhängig von den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten für dessen Gewinnung. Die Geschichte des Bergbaus ist daher zwangsläufig auch die Geschichte des technischen Fortschritts, der sich sukzessive sowohl über- als auch untertägig vollzog.
Bereits vor Jahrtausenden wurden durch Schürfen oder Abgraben Mineralien und Bodenschätze unmittelbar aus der Erdkruste gewonnen. Es ist bekannt, dass bereits vor über 2500 Jahren Kelten und Römer von der Eifel bis zum Siegerland Interesse an der Gewinnung von Eisen, Blei, Zink und anderen Mineralien hatten. Solche Tagebaue endeten jedoch spätestens mit Erreichen des Grundwasserniveaus und hatten daher meist trichterförmige Ausmaße von nur wenigen Metern Tiefe.
Erst mit der Verwendung von Schwarzpulver und folgender Sprengstoffe sowie sich ständig weiter entwickelnder Mechanisierungs- und Wasserhaltungs-techniken wurden aus den kleinen Löchern flächengroße Tagebaue. Heute legen die gewaltigen Eingriffe des aktiven Braunkohleabbaus im südwestlichen Rheinland dafür spektakuläre Zeugnisse ab.
Der untertägige Abbau begann mit Schlägel und Eisen, dem traditionellen „Gezähe“ des Bergmanns. Dessen ältester archäologischer Nachweis in Deutschland stammt aus dem 3. oder 4. Jahrhundert nach Christus und dokumentiert einen Kupferbergbau im Saarland. Doch erst mit Hilfe der technischen Errungenschaften zu Beginn der Neuzeit begann ein reger Stollenbergbau.
Nach fast vollständiger oberflächennaher Ausbeutung der Lagerstätten setzten sich die Abbautätigkeiten ab Mitte des 19. Jahrhunderts dann in immer größere Tiefen fort. In den Steinkohlengruben in NRW und im Saarland sind Abbauteufen über 1.000 m heute keine Seltenheit mehr.
Mit den ibg-Standorten in Bochum und Saarbrücken sind unsere bergbaulich-historischen Recherchen vorzugsweise auf die Lagerstätten von NRW und dem Saarland gerichtet. Weil hier und dort ähnliche Lagerstätten vorliegen, zeigen folgende Daten beispielhaft den jeweils fast gleichzeitigen technischen Fortschritt der bergbaulichen Aktivitäten auf.
Die wichtigsten Stationen nach Untertage
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- 23. Juni 1966: Das letzte Grubenpferd „Tobias„, der Zeche General Blumenthal, geht in den „Ruhestand“.
- 7. Jh. v. Chr.: erste belegte Nutzung von Steinkohle im Saarland
- 5. Jh. v. Chr.: Schürfen von Erzen in der Eifel und im Sieger-/Sauerland
- 13. Jh.: Abgrabungen von Steinkohle in allen Revieren NRWs
- 15. Jh.: untertägige Abbautätigkeiten von Steinkohle in Ottweiler/Saar
- 16. Jh.: untertägiger Erz-/Steinkohlebergbau über kleine Schächte (Pingen) in NRW
- 1700: Einsatz von Schwarzpulver, Auffahrung von Stollen und Strecken im Fels
- 1810: Einsatz von Dampfmaschinen zur Wasserhaltung und Förderung in NRW
- 1820: Einführung von Dampfmaschinen und Übergang zum Tiefbau im Saarland
- 1830: Übergang zum Tiefbau in allen Lagerstätten in NRW
Kurz gesagt, wurde die Erdoberfläche zur Gewinnung von Bodenschätzen über mehr als 2000 Jahre nur angekratzt. Allein der ca. seit 300 Jahren betriebene untertägige Bergbau liegt für uns nicht mehr sichtbar im Verborgenen und wird als altbergbauliches Risiko subsummiert.
Verbleibende Hinterlassenschaften des Bergbaus
Bergbau findet bis heute ausnahmslos in Lagerstätten statt, deren Mineralvorkommen als Rohstoffquelle zur Befriedigung von unterschiedlichsten Lebensbedürfnissen und damit immer auch wirtschaftlichen Interessen dienten. Als Lagerstätte wird eine geologisch natürlich entstandene Anhäufung von nutzbaren Mineralen und Gesteinen in der Erdkruste bezeichnet. Diese können entweder im Tagebau oder untertägig gewonnen werden.
Tagebaue hinterlassen
- Vertiefungen in der natürlichen Geländeoberfläche, die unmittelbar sichtbar sind, oder
- ihre erkennbare Wiederauffüllung mit Fremdmaterialien im Baugrund
Hinterlassenschaften des untertägigen Bergbaus
Für die untertägige Gewinnung von Rohstoffen aus Lagerstätten bedarf und bedurfte es mit zunehmender Tiefe einer immer komplexeren Infrastruktur mit einer Vielzahl von Grubenbauen. Diese sind nicht nur für den Abbau selbst notwendig, sondern auch zu Transportzwecken und zur Frischluftzufuhr, der sogenannten Bewetterung.
Grubenbaue sind
- vom „Tage“ in den „Berg“ getriebene Stollen und Schächte zum Aufschluss der untertägigen Lagerstätte, zusammengefasst unter dem Begriff Tagesöffnungen
- ein Netz von horizontalen Strecken in unterschiedlichen Höhenniveaus (Sohlen) mit vertikalen Verbindungen (Blindschächten)
- die Abbaue in der Rohstoff führenden Schicht mit großflächigen Hohlräumen
Die Gesamtheit der unterirdisch geschaffenen Hohlräume eines Bergwerksbetriebs nennt man sein Grubengebäude. Je nach dem Zeitpunkt seiner Aufgabe und der Art der in ihm erstellten Grubenbaue kann das Grubengebäude auch heute z. T. noch offen/hohl oder teilverbrochen anstehen.
Altbergbaugebiete in NRW
Wenn man den Altbergbau in NRW auf den vor 300 Jahren begonnenen untertägigen Lagerstättenabbau reduziert, der heute noch Bodenbewegungen auslösen kann, verbleiben als Hinterlassenschaften ca. 25.000 bekannte Schächte und über 300 km² einsturzgefährdete Abbauflächen. Wenn NRW nur die Größe eines Fußballfelds hätte, wäre damit der Anstoßkreis nicht bespielbar.
Nachfolgend sind die flächengroßen Lagerstätten NRWs aufgelistet, in denen risikorelevante untertägige Grubenbaue verblieben sind:
- Eisenerzgebiet Wied-Siegerland im Dreieck Hilchenbach, Freudenberg und Burbach
- Blei-Zink-Erzbergbau in der Gegend von Ramsbeck
- Sauerländer Eisenerzgebiet zwischen Niedermarsberg und Olsberg
- Briloner Galmei-Gebiet
- Kieslager Meggen
- Eisenerzgebiet Weser-Wiehengebirge bei Minden
- Bleibergbau im Raum Mechernich
- Lintorf- / Velberter Blei-Zink-Gebiet
- Strontianitabbau zwischen Ahlen und Münster
- Waeldener Steinkohleabbau zwischen Lübbecke und Minden
- Ibbenbürener Steinkohlegebiet
- Niederrheinisch-Westfälisches Steinkohlengebiet
- Aachener Steinkohlerevier
- Rheinisches Braunkohlengebiet im Raum Hambach
- weitere, örtlich sehr begrenzte untertägige Abbaue wie z.B. der Dachschieferabbau bei Bad Fredeburg im Sauerland









